In der Morning Session „Women Peacemakers“ als Side-Event auf der Münchner Sicherheitskonferenz veranstaltet vom Women Political Leaders Global Forum (WPL) sprach die Ruandische Außenministerin Louise Mushikiwabo. Ihre Rede hat mich sehr berührt, z.B. ihr Plädoyer dafür, dass Frauen ihre Rolle in Politik und Gesellschaft stärker einnehmen.
So gibt es in Ruanda ein Gesetz, dass mindestens 30% der Positionen in der Regierung von Frauen besetzt werden müssen. Zudem werden nach ihrer Aussage eher „männertypische“ Posten (z.B. Außenministerium) mit Frauen besetzt und „frauentypische“ Posten (z.B. Ministerium für Erziehung) mit Männern. Aus der Sicht der Ministerin wurde erkannt, dass Frauen, da sie die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, eine ebenso große Rolle in ihrem Land spielen sollten.
Sie zitierte den Präsidenten ihres Landes, der sagte: „Es gibt den Spruch: Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau. Doch aus seiner Sicht muss es heißen: Neben jedem starken Mann steht eine starke Frau.

Beeindruckend für mich auch die von ihr beschriebene Aufarbeitung des Genozids in ihrem Land. Streitigkeiten zwischen Familien wurden traditioneller Weise von allen gelöst, die es betraf, indem alle zusammen kamen – „sitting down on a patch of grass“ (gacaca) – und ihre Sicht der Dinge vortrugen, woraufhin ein Älterster dann zu einem Urteil kam. Dieses Verfahren wurde wieder aufgegriffen, um die weniger schweren Fälle im Rahmen der Aufarbeitung des Massakers zu behandeln. So wurde über vierzehn Jahre lang ein Bewältigungsprozess angeleitet, der wie Louise Mushikiwabo sagt, eine Balance zwischen Bestrafung und Heilung erzielte.

Eine weitere Art zur Heilung des Volkes und zur Bewusstheit von Gemeinschaft beizutragen, beruht auch auf einer alten Tradition und heißt Umuganda, was soviel bedeutet wie „sich gegenseitig helfen“. Jeden letzten Samstag im Monat sind alle Menschen aufgefordert in ihrem Ort etwas zur Gemeinschaft beizutragen, z.B. beim Großreinemachen zu helfen, Blumen oder Bäume zu pflanzen. Kiligali wurde dadurch zur saubersten Stadt Afrikas, worauf ihre BewohnerInnen sehr stolz sind.

Für mich war diese Rede ein mich ermutigender und inspirierender Beitrag an diesem ersten Konferenztag.